Motto

„Suchet der Stadt Bestes.“ (Jeremia 29, 7)

 

Suchet der Stadt Bestes.

Das Motto des Ökumenischen Kirchentags Erding 2017 klingt in unseren Ohren wie ein Aufruf an alle Erdinger guten Willens: Engagiert euch für die Stadt, in der ihr lebt!

Das ist eine Aufforderung, die nicht unbedingt religiös verstanden werden müsste, wenn man nur diese vier Worte hört:

Suchet der Stadt Bestes.

Das könnte auch die Ermahnung des Oberbürgermeisters bei der Amtsverpflichtung der Stadträte sein.

Und es ist doch auch irgendwie naheliegend, dass viele Bürgerinnen und Bürger einer Stadt versuchen, sich für ihren Heimatort einzusetzen.

Suchet der Stadt Bestes.

In der Heiligen Schrift ist dieser Satz Teil einer Botschaft, die der Prophet Jeremia von Gott überbringt. Angesprochen ist sein Volk Israel.

Aber es handelt sich bei der gemeinten Stadt nicht um irgendeinen Ort im Land Israel, etwa gar um die Hauptstadt Jerusalem.

Suchet der Stadt Bestes.

Damit ist die Stadt Babylon gemeint. Die Hauptstadt des fremden Landes Babylonien, wohin die Israeliten um 600 v. Chr. verschleppt worden sind von König Nebukadnezar, den Opernliebhabern auch als Nabucco kennen.

Suchet der Stadt Bestes.

Das war eigentlich eine Zumutung für das so angesprochene Volk Gottes. Wieso sich für eine Stadt einsetzen, in der man fremd ist? Deren Leitkultur samt Religion man ablehnt. Mit dem Blut deren Bewohner man sich nicht vermischen will.

Suchet der Stadt Bestes.

Diese Botschaft Gottes aus dem Munde Jeremias hieß für die verschleppten Israeliten: Richtet euch darauf ein, dass ihr länger hier bleiben werdet! Also passt euch an und gliedert euch in die Stadtgesellschaft ein!

Integration war also auch damals schon das Zauberwort.

Allerdings muss man dazu sagen, dass die fremden Israeliten allesamt aus der reichen und gebildeten Oberschicht stammten. Adlige und reiche Handwerksfamilien. Sie waren in Babylon willkommen. Da gab es keine winterkalten Auffanglager. Keine Identitätskontrollen und Rückführungen.

Aber in einem Punkt waren die Israeliten schwer integrierbar: In ihrem Glauben an den einen Gott.

Suchet der Stadt Bestes.

Diese Worte des Propheten waren für sie auch deshalb eine Zumutung, weil sie bisher dachten, man kann diesen Gott Israels nur in dem Land anbeten, das er seinem Volk geschenkt hat. Und jetzt: Glaube in der Fremde mitten unter Andersgläubigen?

So sehr die Israeliten als Bürger mit Bildung und Kunstfertigkeit von den Babyloniern wohl geschätzt wurden, so sehr wurden sie sicher auch für ihren merkwürdigen Glauben belächelt.

Das bedeutete also für das Volk Gottes: leben in einem Umfeld, in dem der eigene Glaube nicht von der Mehrheit getragen wird. Zusammen mit den anderen Bürgern der Stadt ihr Bestes suchen und mit dem eigenen Glauben dabei nicht hinter dem Berg halten.

Das ist der Anknüpfungspunkt für uns Erdinger Christen an das Wort des Propheten Jeremia, das Gott an sein Volk Gottes in der babylonischen Diaspora gerichtet hat.

Suchet der Stadt Bestes.

Das heißt für uns, dass wir beim Kirchentag als unterschiedliche Gemeinden vor Ort, die alle an den einen Herrn Jesus Christus glauben, zusammenfinden unter seinem Kreuz und ihm und uns dabei näher kommen.

Das heißt aber auch, dass wir uns nicht abschotten gegenüber denen, die nichts oder nichts mehr mit dem christlichen Glauben anfangen können oder die vielleicht einen anderen Glauben oder eine andere Religion haben und auch der Stadt Bestes suchen.

Wir halten mit unserem Glauben ebenso wenig hinter dem Berg wie damals die Israeliten in Babylon.

Wir stehen Rede und Antwort, wollen die Menschen neugierig machen und einladen bei unserem Kirchentag. Wir wollen durch dieses ökumenische Christusfest ein bisschen deutlicher werden lassen, was das für ein Glaube ist, der uns trägt und prägt.

Gottesdienste sollen gefeiert werden, schöne Musik soll die Seele beflügeln, wir beten, essen und trinken miteinander und tauschen uns aus.

Wo zeigt sich unser Glaube an Christus überall schon in unserer Stadt? Wie vielfältig ist sein Gesicht?

Gruppen und Kreise, engagierte Menschen präsentieren sich und geben eine Antwort auf diese Fragen beim Markt der Möglichkeiten und vielleicht auch der Unmöglichkeiten.

Unsere Herausforderung wird dabei wohl sein, in einem Jahrmarkt von engagierten Menschen als Christen mit dabei zu sein und in der Menge aller Menschen guten Willens in dieser Stadt unser speziell christliches Profil zu zeigen und mit unserem Glauben nicht hinter dem Berg zu halten.

Da geht es uns wie den Israeliten damals in Babylon. Und ihnen wie uns gilt deshalb auch das Wort, das Gott durch den Propheten Jeremia ausrichten lässt:

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl.

Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR. (Jeremia 29, 7+13)

Wir sollten ihn für unseren Kirchentag einfach beim Wort nehmen!

Suchet der Stadt Bestes

und betet für sie zum HERRN.

 

Roland Fritsch

Suchet der Stadt Bestes - Jeremia 29, 7

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